Der Pfarrer macht jede Arbeit
Im schweizer Rhone-Gebiet geht der französischsprechende Teil sanft in den deutschsprachigen Raum über. Auf einem schweizer Campingplatz kümmert das niemanden. Der Priester ist genauso zweisprachig wie jeder andere auch und zusätzlich vermietet er auch noch Fahrräder. Und er bereitet ein Fondue zu.
Man könnte meinen, dass in einem vielsprachigen Land wie der Schweiz alle verschiedenen Stämme in einem ständigen Kriegszustand lebten. Nicht wahr. Lassen Sie uns in das Rhone-Gebiet schauen: der westliche Teil nennt sich Valais, aber wenn Sie ostwärts reisen werden Sie im deutschsprachigen Teil landen, im Wallis. Ich bin nicht sicher ob die französischsprechenden Einwohner sich jemals die Köpfe ihrer deutschsprachigen Kanton-Vorfahren eingeschlagen haben, aber heutzutage haben beide Gruppen keine Probleme miteinander. Dieses Jahr radeln wir durch schweizer Campingplätze. Ein kleiner Seitenfluss der Rhone zwischen Sierre und Leuk bildet die offizielle Sprachgrenze, aber in einem kilometerweiten Gebiet auf einem schweizer Campingplatz ist jeder zweisprachig. Wenn Sie ein deutschsprachiger schweizer Junge sind und in ein französischsprachiges schweizer Mädchen verliebt sind, haben Sie keine Probleme mit ihrem zukünftigen Schwiegervater. Die Sprache auf einem Campingplatz in der Schweiz ist oft ein Mix der zwei Sprachen. Für uns Touristen hat dies möglicherweise beachtliche Effekte.
Französisch / deutscher Bahnhof
Der Leuker Bahnhof liegt gleich in der Nähe von ihrem Campingplatz in der Schweiz. Wenn Sie ein Ticket kaufen wollen, müssen Sie den Schildern “Schalter” im Laden folgen. Auf dem Weg zu den Zügen gibt es ein Schild mit dem Namen “quai” - Bahnsteig auf französisch. Auf dem Bahnsteig ist der Ortsname “Leuk” in deutsch geschrieben. Aber bei der Gepäckaufbewahrung steht der Name des Ortes in französisch: Loèche. Die Post heißt “Postamt” und Sie können ihre Koffer hinter dem Schild “valises” (Koffer) wiegen. Ein Fahrrad können Sie mieten wo “bicyclettes” steht, während unter diesem Schild ein weiteres Schild “mieten” steht. Nicht zu vergessen dass alle Zugdurchsagen in deutsch und französich sind. Ich mag schweizer Campingplätze.
Vielseitiger Pfarrer
Am nächsten Morgen, als wir von unserem Campingplatz in der Schweiz zurückkamen um ein Fahrrad zu mieten, hatten wir Pech. Damenfahrräder sind verfügbar, aber das Kinderfahhrad, das noch da war, war nicht wirklich meine Größe. Das ist kein Problem, sagte der Stationsaufseher. Der Pfarrer auf der anderen Seite des Campingplatzes vermietet einige Fahrräder für die Gäste des schweizer Campingplatzes. Als wir klopfen, öffnet uns der Pfarrer in voller Montur die Tür. Er sieht aus, als ob er den Papst zu Besuch hätte. Wie erwartet, hörten wir einen zweisprachigen Mix als wir ihm sagten, dass wir eine Herrenfahrrad mieten wollen. “Ein Fahrrad? Naturellement, monsieur. Moment mal. ” in diesem Stil war seine Antwort. Er deutet auf die Garagentür des Prespyterium, neben dem schweizer Campingplatz. Ob wir dort eine Minute warten könnten. Wir warteten letztendlich 15 Minuten bis die Tür wieder geöffnet wurde. Heraus kam ein Mann in schmutzigen Overall und einem schlammigen Herrenfahrrad. Erst als er anfing zu sprechen, wurde klar, dass es sich um den Pfarrer höchstpersönlich handelte. Extra für mich hat dieser Mann seine Kirchenkleidung in einen Overall getauscht und fing an das Fahrrad zu reinigen. Als ich ihm nach einer Weile sagte, dass das Fahrrad für mich sauber genug sei, nimmt er seinen Lappen und säubert noch Bremsen und Griffe bevor er das Rad mit einem professionellern Blick überprüft. Was für ein Service! Wartet, wenn ich das in meinem Fahrradladen zu Hause erzähle!
Fondue
Als wir nach einer ausgiebigen Fahrradtour entlang der Campingplätze in der Schweiz durch das Rhonetal die Räder in Leuk zurückbringen, lieferten wir erst die Damenräder ab und dann kehrten wir zum Pfarrer zurück. Das war keine Überraschung, dass er sich wieder verwandelt hatte. Dieses Mal ist ein Koch im kompletten Outfit mit einem Löffel in der Pfanne rührend. Das Zeug, was da in dem Topf vom schweizer Campingplatz blubbert, riecht großartig und wir waren sehr bange, wie dieses Essen heißt. “Fondue,” antwortet er in französisch. Oder war es diesmal auf deutsch?
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