Legenden in einer österreichischen Holzhütte
Wenn sich in den österreichischen Alpen das Wetter plötzlich ändert, füllen sich die Holzhütten mit Schutz suchenden Bergwanderern. Wir haben einige von ihnen auf verschiedenen Campingplätzen in Österreich getroffen. Während der Donner draußen wütet, werden sich die Legenden erzählt.
Wir sind gerade noch rechtzeitig. Als die ersten regentropfen fallen, erreichen wir die kleine Berghütte und finden Schutz. Wir haben unseren österreichischen Campingplatz bei gutem Wetter verlassen, aber ein Unwetter nähert sich schnell und auf dem Weg zur Holzhütte richteten wir unsere Augen mit Besorgnis auf die herbeiziehenden Wolken. Bergwanderer wissen dann, dass sie sich so schnell wie möglich einen sicheren Platz suchen sollten. Bergwandern entlang österreichischer Campingplätze ist nicht ganz ungefährlich, da sich die Wetterbedingungen rapide ändern können, sehr viel schneller als in anderen Regionen. Vertikale Luftströme um die Berge sind hierfür verantwortlich. Infolge dessen sind schon viele unerfahrene Wanderer in Schwierigkeiten geraten. Ganz nebenbei: Viele erfahrene Wanderer ebenfalls; sie sind sehr starrköpfige Menschen.
Begrüßungszeremonie
Nachdem wir die Tür der Holzhütte geöffnet hatten, bemerkten wir, dass wir nicht alleine waren; fünf andere Wanderer vom Campingplatz in Österreich hatten die selbe Idee. Die Begrüßung ist sehr freundlich, so wie es in den Bergen üblich ist. Wanderer zählen sich selbst zu einer Elite-Gruppe und grüßen sich gegenseitig wie Motorradfahrer, die auf der Staße aneinander vorbeifahren. Nach der Begrüßung wird ein Neuankömmling von oben bis unten begutachtet. Die Markenbezeichung der Schuhe und der Abnutzungsgrad des Rucksacks sind die Dinge, mit denen man an meisten punkten kann. Man sollte niemals Sportschuhe aus einer Disco-Reklame tragen, wenn man von einem österreichischen Campingplatz aus hoch in die Berge wandert. Abgesehen von der Tatsache, dass man sich mit der falschen Kleidung schnell in Schwierigkeiten bringen kann, würde man auch in einer ernsthaften Unterhaltung mit anderen Bergwanderern nie akzeptiert werden. Sobald neue Leute die Holzhütte betraten, erwischte ich mich dabei, wie ich das selbe tat wie die anderen – ich beurteilte ihre Ausrüstung mit der gleichen Zeremonie. Seltsame Leute, diese Wanderer. Wir waren eine gemischte Gruppe: ein Pole, ein Amerikaner, vier Deutsche und eine Reihe Holländer, die ich auf dem österreichischen Campingplatz traf. Sogar ein Argentinier war unter den Schutz suchenden Leuten. Ein lauter Donnerschlag draußen bewies, dass die letzten Wanderer gerade noch rechtzeitig ankamen.
Anglerfäden
Der Tatsache bewusst, dass wir alle gezwungen waren in der Hütte zu bleiben bis sich der Sturm gelegt hat, kamen nun Legenden auf. Es dauerte nicht lange und jeder leistete einen Beitrag. Wir haben alle auf Campingplätzen in Österreich gewandert. Manchmal habe ich den Eindruck, je länger die Geschichten erzählt werden, desto fragwürdiger wird der Wahrheitsgehalt. Als der Argentinier seine Geschichte erzählte, hatte ich ernsthafte Zweifel. Seine Geschichte handelte über ein Abenteuer, das er mit dem Sankt-Elms-Feuer erlebte. Man erzählte mir auf dem Campingplatz in Österreich, dass dieses Naturphänomen normalerweise nur auf hoher See zu sehen ist und wie ein herannahendes Unwetter, den Metallmast eines Schiffes infolge eines magnetischen Feldes erleuchtet. Daraufhin folgt ein Blitzstrahl. Unser Argentinier behauptete, die gleiche Erfahrung während einer Wanderung auf einem Berghang zu seinem österreichischen Campingplatz, unter dicken Donnerwolken, gemacht zu haben. Als seine Spitzhacke aus Metall zu leuchten begann, schmiss er die Hacke geistesggegenwärtig weg. Das geschah gerade noch rechtzeitig, denn im nächsten Moment schlug ein Blitz in die Spitzhacke ein. Wenn er die hacke noch in der Hand gehalten hätte, wäre er nicht mehr in der Lage gewesen, uns diese Geschichte auf dem Campingplatz in Australien. Unsere Gesichter mussten wohl unser Unglauben gezeigt haben, denn der Mann öffnete seinen Rucksack und zog einen gefalteten Zeitungsatikel heraus. Das Bild neben dem Artikel war klar genug: Da war ein Argentinier mit einer total verbogenen und schwarz verkohlten Spitzhacke in seiner Hand…
Knall
Als ich noch immer auf den Zeitungsartikel und das außergewöhnliche Foto schaute, ließ ein gewaltiger Knall die Berghütte erschüttern. Nahe uns schlug ein Blitz ein. Wir beschlossen fest, dass wir zukünftig vorsichtiger sein werden, wenn wir österreichische Campingplätze verlassen. Und während des Bergwanderns wollten wir immer ein Auge auf die Wolken richten. Tatsächlich ist dies sehr viel wichtiger, als mit der Markenbezeichnung seines Rucksackes zu punkten.
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